Allan Rayman, ein Grizzly im Schafsfell

 

 

© Zack Vitiello

"Allan Rayman, wer ist das?", fragen sich viele. Hammer-Stimme, mysteriöse Tracks und packende Live-Konzerte. Und doch nur wenigen bekannt. Grund dafür ist er selbst.

Allan Rayman, der Kerl mit der herzzerreißenden Stimme, dem fast flehenden Ton. Der Kerl bei dessen Liedern, jedesmal ein kleiner Schauer den Rücken herunterwandert und man sich am Liebsten in eine warme Decke kuscheln möchte. Man kann sich ihn sehr gut vorstellen, einsam in einer verlassenen Holzhütte in den Wäldern Kanadas. In der Hand ein Glas guten Whiskey, in der anderen einen Stift. Allein. An einem alten Holztisch. Im Kamin knistert das Feuer. Draußen liegt Schnee. Er beugt sich im blassen Kerzenschein über das Blatt, tunkt den Stift in die Tinte und hält kurz inne - bevor er den Stift ansetzt und einen Brief an sich selbst schreibt: Dear Allan....

Genau so soll das Anfang diesen Jahres erschienene Album "Roadhouse No.1" entstanden sein. In seinem erst zweiten Album erzählt Allan die Geschichte des Mr.Roadhouse: düster, melancholisch, launisch. Wie "ein Spaziergang allein durch den dunklen Wald mit allerlei bedrohlichen Geräuschen und trotzdem hat man nie Angst" meint das SRF. Und genauso hört sich dieser musikalische Roadtrip auch an: ein spannender Weg zwischen bedrückenden R&B Beats, poppigen elektronischen Klängen und verträumtem Country-Sound. Man weiß nie, was einen als nächstes erwartet, und trotzdem kann man es kaum erwarten. Allan Rayman schafft mit seiner Musik eine düstere, mysteriöse aber auch irgendwie anziehende Welt, der man nur zu gerne lauscht.

Er wird nicht ohne Grund "The most mysterious man in Music" genannt. Es ist fast nichts bekannt über ihn. Geboren in Lost Springs, einem 4-Seelen Dorf irgendwo im Norden der U.S.A. Wann, weiß nur er selbst. Früher auf dem Bau gearbeitet und nebenbei für sich selbst ein bisschen Musik gemacht. Jetzt lebt er in Toronto und widmet sich ganz seiner Kunst. Interviews gibt er keine. Über Social Media geht auch nicht viel. Um mehr über ihn zu erfahren muss man sich seine Songs anhören, denn die beschreiben ihn besser als jeder Artikel, jedes Bild oder jedes Video, das von ihm erschienen ist.

Die Geschichte des Mr. Roadman ist auch ein bisschen seine. In "Shelby Moves" lässt er seine persönliche Abneigung gegen Interviews hervorscheinen. "Interview, interview, interview please/What you wanna know about me" . Bis dato hat er nur einem Medium (leider nicht uns) ein Gespräch gegönnt, das war Anfang diesen Jahres am Rande eines Auftritts bei Billboard.

"At the end of the day, I think fans build up these crazy ideas of celebrities or musicians or the people they’re listening to and watching and I think there’s a really dark undertone to that fandom and celebrity-ness."

Allan Rayman

Er hält nicht viel von Ruhm, Berühmtheit und Geld, wie es scheint. Sein erstes Album Hotel Allan hat er als kostenlosen Download der Netzwelt zur Verfügung gestellt. Seine Karriere managt er zu großen Teilen selbst. Auf seinen Social-Media Kanälen geht es zu 100% um Musik und es kann gut mal vorkommen, dass eine EP oder ein Song ohne jegliche Ankündigung und Werbung gedroppt wird. Wer braucht schon Marketing, wenn's auch ohne klappt. Und diese Philosophie überträgt sich auch auf seine Live-Performance. Wer eine pompöse Show, verrückte Effekte, und einen strahlenden Boy erwartet, wird düpiert. Er bleibt seiner Linie treu. Mysteriös, unberechenbar und vor allem packend. Keine großen Reden vor dem Publikum, kein Herumfuchteln auf der Bühne. Das wäre nicht Allan.

I just like to strip it down and make it so raw and show I’m just a regular dude singing my heart out. That’s what I want to portray on stage.

Allan Rayman

Ein unverändertes Abbild seiner selbst will er auf der Bühne sein. Ein Wesen, welches sanft und fast verletzlich ins Mikrofon haucht, um im nächsten Moment aus den Tiefen seiner Seele ein stimmliches Gewitter herauszuholen, welches einen überrollt und fasziniert. Ein Grizzly im Schafsfell. Seine raue Stimme und die unheimlichen aber doch verlockenden Texte verlangen die komplette Aufmerksamkeit des Zuhörers. Und so zieht er die Cappy tief ins Gesicht, senkt den Kopf und lässt die Musik für sich sprechen....


So genug geschwärmt! Am 1. November spielt Allan zum zweiten Mal in der Weltgeschichte in Berlin in der Kantine am Berghain. Die Tickets sind gna-den-los ausverkauft. Doch AWEYK schickt Euch noch hin. Zwei Glückliche dürfen sich inkl. Begleitung auf das Konzert freuen. Einfach an der Verlosung im Event teilnehmen und ihr seid dabei! May Allan be with you!

Geschrieben von Hasan am Mi, 18.10.2017

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