Als Kartoffel unter Kiwis #2: Auf Kriegsfuß mit dem Toastbrot

 

 

© Jonathan Pielmayer

Ich muss gestehen, Berlin hat mich kulinarisch in den letzten Jahren mehr als verwöhnt. Es steht Restaurant neben Imbiss, Café neben Bar und direkt gegenüber die Bäckerei. Und erst am anderen Ende der Welt lernte ich all das zu schätzen.

Ein großer Fan von (deutschem) Brot war ich eigentlich nie. Dass es in Neuseeland nun ausschließlich Toastbrot zu kaufen gab, interessierte mich zunächst nicht weiter. Zwei Monate ohne Brot? Na und?! Doch wie heißt es so schön: Vieles lernt man erst zu schätzen, wenn man es verloren hat. Nach meiner Reise würde ich das ohne Zögern unterschreiben.

Der Retter in der Not

Da ich viel umherreiste und der Großteil des Tages aus stundenlangen Wanderungen bestand, war ich mehr oder weniger auf unkomplizierte Mahlzeiten angewiesen. Hauptsache schnell in der Zubereitung und handlich im Gepäck. Nebenbei sollte natürlich auch das Reisebudget nicht allzu stark leiden. Die Lebensmittelpreise in Neuseeland lassen einen jedoch gelegentlich schon mit einer Fastenzeit liebäugeln. Letztendlich schien das Toastbrot also der Retter in der Not zu sein.

Die Preisspanne der Unendlichkeit

Es handelt sich hier wahrscheinlich um Jammern auf höchstem Niveau. Aber nach zwei, drei Wochen stand ich auf Kriegsfuß mit dem Toastbrot. Also sah ich mich nach preisgünstigen Alternativen um. So ein neuseeländischer Supermarktbesuch ist schon was Besonderes. Zwar gibt es auch in Deutschland von jedem Produkt mehrere Marken, jedoch sind die Preisunterschiede durchaus zu verkraften. In Neuseeland reicht die Preisspanne für eine Packung Müsli von 4 $ (2,40 €) bis hin zu 25 $ (15 €). Ich betone, wir reden hier von gewöhnlichen Supermärkten und handelsüblichem Müsli. Solch eine Preisspanne gilt für nahezu alle Lebensmittel. Dass das günstigste Produkt oft ausverkauft war, erklärt sich von selbst.

Geheimtipp: Indian Cuisine

Gut, Supermarkt hin oder her, aber wie sieht es denn mit Restaurants aus? Auch hier ist die Preisspanne der Unendlichkeit gültig. Mit wachsamem Auge und nicht allzu wählerischem Magen lässt sich aber früher oder später etwas Bezahlbares finden. Kleiner Tipp: besonders asiatisches Essen ist in Städten durch den hohen Konkurrenzkampf vergleichsweise günstig, aber auch unheimlich lecker. Besonders die indische Küche hat es mir angetan. Die Gerichte werden nicht an den europäischen Gaumen angepasst (wäre in Neuseeland ja auch irgendwie sinnfrei…), sondern traditionell zubereitet. Auf die Frage, wie scharf man es denn gern hätte, ruhig mit „medium“ antworten, auch wenn man gern „hot“ sagen würde. Scharf ist es nämlich trotzdem. ;)

Veggie Berlin vs. Meaty New Zealand

Auch für Vegetarier wird sich ein asiatisches Restaurant gelegentlich nicht vermeiden lassen. Während man in Berlin selbst im Steak(!)haus seit Jahren ansprechende, vielseitige Alternativen geboten bekommt, gilt in Neuseeland meist: Je mehr Fleisch, desto besser. Vegetarier sind dort keinesfalls verpönt, es gibt nur einfach noch nicht so viele. Beziehungsweise, um es fies auszudrücken: der Trend ist noch nicht richtig im Gange. Grundsätzlich lässt sich zwar in neun von zehn Fällen ein vegetarisches Gericht auf der Karte finden, die Auswahl hält sich jedoch in Grenzen. In asiatischen Restaurants kann aber nahezu jedes Gericht mit Tofu statt Fleisch serviert werden.

Candyland

Woran man sich immer und überall satt essen kann, sind Süßspeisen. Trotz recht erschwinglichen Preisen füllen sie gut und gern mehrere Stunden den Magen. Aber Vorsicht! Sie sind nicht nur unheimlich gehaltvoll, sie machen auch süchtig. Noch immer habe ich hierzulande mit regelrechten Zuckerattacken zu kämpfen – dabei habe ich vor meiner Abreise nie Süßigkeiten gegessen. Meine gewonnene Zuckersucht lässt sich mit dem nächsten Absatz peinlicherweise sogar bestätigen…

Meine Top 3

Was ich jedem wärmstens ans Herz lege, der in Neuseeland kulinarisch schlemmen möchte? Besucht auf jeden Fall einen Wochen(end)markt, wenn ihr die Möglichkeit habt. An Obst und Gemüse kann man sich dort zu niedrigen Preisen für mehrere Tage eindecken. Probiert auf jeden Fall auch Obst, das hier nicht zu euren Favoriten zählt. In Neuseeland schmeckt es durch die hohe Sonneneinstrahlung viel intensiver und auch saftiger. Avocados beispielsweise müssen nicht einmal mehr gewürzt werden. Außerdem zu empfehlen ist die Schokolade der neuseeländischen Firma Whittaker’s. Es gibt unzählige Geschmacksrichtungen, so dass mir die Entscheidung immer wieder schwer fiel. Auch, wenn man es nicht süß mag, kommt man garantiert auf seine Kosten. Und zu guter Letzt mein absolutes Highlight: frittierte Ananas in Zucker und Zimt. Es war die perfekte Kombination aus süß und sauer, ach, was rede ich, es war der Himmel! Unbedingt probieren!

Geschrieben von Julia am Mo, 22.01.2018

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