Bist du eigentlich cool?

 

 

© Shamim Nakhai

Kein herzhaftes Lachen. Kein Weinen. Keine Wut. Gefühlsausbrüche sind coolen Menschen fremd. Trotzdem wecken sie einen besonderen Reiz in uns, dem wir kaum widerstehen können. Und jeder strebt ein bisschen nach dieser Coolness.

„In einer Stadt voller Affen bin ich der King“ singt Peter Fox in einem seiner Lieder. Diese Zeile eignet sich bestens, sie in den höchsten Stand zu erheben, als oberstes Gebot sozusagen – für die Coolen. Ständig streben wir danach, der angesagte Affe zu sein. Wir wollen keinen Durchschnittsjob, der muss schon ein bisschen geil sein. Wir wollen keine legere Kleidung, die muss lässig sitzen. Wir wollen nicht aktiv sein auf sozialen Medien, wir müssen minütlich Likes oder Follower generieren. Wir haben keinen besten Freund, sie sind überall und zwar viele. Und in Sachen Musik sind wir sowieso unschlagbar. Coolsein ist harte Arbeit.

Coolness diktiert uns so einiges in unserem Leben. Denn wer spielt schon Brettspiele, besucht den Zoo oder geht schwimmen? Nicht die Coolen. Die spielen lieber mit ihrem Mac, hängen im Oberholz rum oder trinken Bier im Mauerpark. Man möchte es kaum glauben, aber manchmal ist es verdammt anstrengend, sich diesen Coolness-Konventionen hinzugeben. Zum Coolsein gehört einiges mehr, als entspannt seine Kippe zu rauchen, Alkohol zu trinken und lasziv zu lächeln. Wir müssen bestimmte Klischees erfüllen und die müssen auch unbedingt erfüllt werden, sonst sinkt unser Coolness-Level bis hin zur Uncoolness.

Ja nichts zu nah an uns ran lassen und dabei immer gut aussehen. So lautet die Devise. Die Distanz wirkt geheimnisvoll und reizend. Außerdem schützt sie die Coolen. Es gibt wenig Spielraum, komisch oder angreifbar zu wirken. Wenn dann Kleidung und Sprache auch noch stimmen, ist der Gipfel erreicht. Wir sind es! Die anderen bewundern und beneiden uns. Nun spielen wir in der ersten Liga und müssen uns dem Trend fügen. Um regelmäßige Berghain-, Sisyphos- oder Katerbesuche, um die neuesten Bandshirts und um die aktuellsten jugendsprachlichen Floskeln kommen wir nicht mehr rum.

Ist Coolness ein Lebensmodel oder lügen wir uns selbst an? Schwierig zu sagen, aber es ist so herrlich einfach, wenn andere uns sagen, was wir tun oder lassen sollten. Auch unsere Ängstlichkeit können wir mit diesem Verfahren beiseite schieben. Auf andere wirkt cool sein positiv, für einen selbst ist es eine Art Aufgabe. Aber eins ist sicher: Sogar die Allercoolsten fahren mal ihr MacBook runter, schalten ihr Smartphone aus und führen emotionale Gespräche mit Mama. Dann ist die Show vorbei.

Und eine Todsünde gibt es im System der Coolness: Du kannst dir nicht vornehmen, ab morgen cool zu sein. Du kannst auch nicht darauf hinarbeiten. Das funktioniert nicht. Entweder du bist es, oder du bist es nicht. Coolsein ist fremdbestimmt. Das kannst du dir nicht selbst aussuchen. Und wenn du dann mal bemerkst, dass du das Glück hast und zum Kreis der Auserwählten gehörst, dann beginnt die Arbeit.

Geschrieben von Roman am Mo, 10.04.2017

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