"Blue Whale"-Challenge: Wie Jugendliche sich dem Suizid hingeben

 

 

© Georg Wolf

Die „Blue Whale“-Challenge hat sich von Russland über Europa bis in die Vereinigten Staaten verbreitet. In diesem Spiel müssen die Teilnehmer 50 Tage selbstzerstörerische Handlungen durchführen und dokumentieren, bis sie am Ende das eigene Ableben erwartet.

Der Tod ist das Ziel. Mehr als 130 junge Menschen sollen mittlerweile durch die „Blue Whale“-Challenge Suizid begangen haben. Die Jugendlichen waren allesamt psychisch labil und wurden von völlig fremden Menschen extrem unter Druck gesetzt. Bis sie starben.

Das System dieser Challenge sieht folgendermaßen aus: Teilnehmer werden zu selbstzerstörerischen Handlungen animiert. Schnitte, die Tief unter die Haut gehen, Horrorfilme oder Schlafentzug. Am 50. Tag ist es dann soweit – Zeit für den Suizid.

Experten streiten sich allerdings darüber, ob dieses „Spiel“ tatsächlich existiert oder nur ein Phantom ist. Das Phänomen wurde allerdings seit Beginn genauestens dokumentiert. Ein junger Mann aus Russland steht mit der Aktion in enger Verbindung: Filipp B. – man kennt ihn unter dem Spitznamen „Filipp, der Fuchs“.

Derzeit steht der 21-Jährige in St. Petersburg vor Gericht. Die Anklage lautet Anstiftung zum Suizid in mindestens 15 Fällen. Auf dem russischen Pendant zu Facebook, VK („in Verbindung“), soll Filipp acht Gruppen erstellt haben, in denen Teilnehmer animiert wurden, sich selbst zu verletzen oder sogar zu töten.

Im russischsprachigen Internet streben junge Menschen ständig nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, die oft in perversen Handlungen enden. Die Mitglieder der Challenge publizieren ihre Geschichten überdies in eigenen Artikeln. Alle Informationen der Verfasser decken sich mit dem Prinzip der „Blue Whale“-Challenge.

Die sozialen Netzwerke haben auf die Challenge reagiert. Auf VK beispielsweise gibt es keine Posts mehr mit dem Hashtag. Gibt man auf Instagram den Hashtag #bluewhalechallenge ein, erscheint folgender Hinweis: „Beiträge mit Worten oder Markierungen, nach denen du suchst, können oft Verhaltensweisen fördern, die Schaden anrichten oder gar zum Tod führen. Falls du gerade schwere Zeiten durchmachst, würden wir dir gerne helfen.“

Dem Kopf der tödlichen Bewegung ist die russische Polizei nun auf die Schliche gekommen. Ilya S., 26-jähriger Postbote, wurde in der Moskau verhaftet. Nach dem Suizidversuch einer 14-jährigen Russin Anfang des Jahres wurde das Innenministerium auf ihn aufmerksam. Eine Sprecherin: „Fünf Handys, ein Tablet und mehrere SIM-Karten wurden bei einer Durchsuchung konfisziert. Der Tatverdächtige gab zu, dass er der Administrator einer Suizid-Gruppe ist. Sie hatte 32 Mitglieder, alle von ihnen waren minderjährig.“

Geschrieben von Roman am Di, 20.06.2017

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