Die unteren 10.000: So feiert man in Österreich schlechte Partys

 

 

© Herr Hermes

Deine letzte Party war so richtig schlecht? Die Rubrik „Die unteren 10.000" der Sendung „Willkommen Österreich“ zeigt regelmäßig die nerdigsten Feten des Alpenstaats. Für manch einen schwer vorstellbar, sich dort blicken zu lassen.

Da kommt natürlich sofort die Frage auf, ob das moralische vertretbar ist, diese Beiträge überhaupt auszustrahlen. Überwiegend Jugendliche lassen sich auf Festen wie „Feuerwehrsfest mit Blondinentreffen" oder „Blaumannparty in Dobermannsdorf" ordentlich die Hucke volllaufen, bis man kein Wort mehr versteht. Es fallen für gewöhnlich rassistisch angehauchte Kommentare und ein bisschen Sexismus darf eigentlich auch nie fehlen.

Die Partygäste geben ihr bestes. Wenn der Gleichgewichtssinn noch nicht ganz weggesoffen ist, wird das Tanzbein geschwungen, der Wet-TShirt-Contest genossen oder zu all den schrecklichen Schlager-Klassikern mitgegrölt. Und mitten in der Meute befindet sich Herr Hermes. Er ist Moderator des ORF und besucht regelmäßig solche Saufgelage. Das Motto lautet bei jeder Party: trinken, trinken, trinken. Mit den Damen zu flirten ist ein schöner Nebeneffekt oder eben das Tanzen, aber im Vordergrund steht ganz klar der Alkohol.

Hermes trägt wie immer seinen piekfeinen weißen Anzug. Von Stermann und Grissemann entdeckt, besticht er als mediales Naturtalent. Seit er die Rubrik „Die unteren 10.000" moderiert, hat er in Österreich Kultstatus erreicht und ist mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Und das auf Kosten anderer? Wahrscheinlich ja, vielleicht nein.

Zu sehen sind die Folgen auch auf Youtube. In der Diskussion darüber, ob das nun gut oder schlecht sei, scheiden sich die Geister. Die Einen finden es höchst amüsant und verehren die Rubrik nahezu, die Anderen sprechen sich empört dagegen aus. Begründung: Herabwürdigendes Verhalten, diese Leute bewusst in einen negativen Kontext zu setzen, um anderen ihr Unterhaltungsfutter zu bieten. Man kann es betrachten wie man will - Durst haben sie, die Österreicher.

Geschrieben von Roman am Sa, 04.11.2017

Share on:

More on Aweyk ...

Künstler Bryan Saunders hat sich auf allen erdenklichen Drogen selbst portraitiert

Künstler Bryan Saunders hat sich auf allen erdenklichen Drogen selbst portraitiert

„Under the Influence“ ist eine Sammlung von 91 Selbstportraits, die der Künstler Bryan Lewis Saunders auf verschiedenen Drogen erschaffen hat. Die Idee dazu entstand, als er erst Valium geschluckt hatte und anschließend ein Barbiturat namens Butalbital einwarf. Während seiner intensivsten Phase nahm Saunders 18 Drogen in 11 Tagen.

Stories

Bist du eigentlich cool?

Bist du eigentlich cool?

Kein herzhaftes Lachen. Kein Weinen. Keine Wut. Gefühlsausbrüche sind coolen Menschen fremd. Trotzdem wecken sie einen besonderen Reiz in uns, dem wir kaum widerstehen können. Und jeder strebt ein bisschen nach dieser Coolness.

Stories

Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer: Berlin für Kunstfreiheit

Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer: Berlin für Kunstfreiheit

Bis vor kurzem schmückte das Gedicht „Avenidas“ des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer die Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Nun soll es entfernt werden. Der Grund: Sexismusvorwürfe.

Stadtleben