Film & Musik: Eine unzertrennliche, emotionale Bindung

 

 

© Radek Grzybowski

Der Weiße Hai, Halloween, Titanic. Obwohl die Genres dieser Filme kaum unterschiedlicher sein könnten, eint sie ein oft unterschätztes Element: Eine unverwechselbare Filmmusik. Kaum wird der Filmtitel genannt, geht im Kopf die Musik an. Es gleicht beinahe einem Ohrwurm.

Live-Konzert zum Kinospektakel

Da man mit historischem Background-Wissen immer ganz gut angeben kann, fangen wir zunächst mit der Geschichte der Filmmusik an. Sie beginnt nahezu zeitgleich mit den ersten Filmvorführungen Ende des 19. Jahrhunderts. Schon die frühen Stummfilme wurden durch Live-Musik begleitet. Je größer der Kinosaal war, desto mehr Musiker untermalten auch den Film. In kleinen Sälen genossen einzelne Pianisten oder Flötisten ihren Solo-Auftritt, in großen Sälen fanden sogar ganze Orchester Platz. Wozu also noch die überteuerten Karten für ein klassisches Konzert bezahlen, wenn man all das doch auch günstig im Kino haben kann?

Nun ja, sagen wir es so: Die damaligen Kinosäle waren laut. Sehr laut. Heute schämt man sich schon, wenn man die Chipstüte aufreißen möchte. Damals hätte man sie (wenn es sie schon gegeben hätte) platzen lassen können, und es hätte niemanden interessiert. Die gnadenlos ratternden Filmprojektoren machten den Stummfilmgenuss unmöglich. Eine Lösung musste her. Und Feuer bekämpft man bekanntermaßen am besten mit Feuer… oder, Lärm mit Lärm.

Rein ins Filmgeschehen, raus aus der Realität

Wie wir aus anderen historischen Erzählungen wissen, entstehen die besten Erfindungen aus Zufall. Genauso war es quasi mit der Filmmusik. Filmemacher und Kinobetreiber erkannten schnell die Auswirkungen auf Emotionen und Wahrnehmungen des Publikums. Grund dafür ist, dass eine geräuschlose Kulisse nicht realitätsnah erscheint. Erst der Gehörsinn lässt uns die optischen Eindrücke unserer Umwelt vollständig erfassen. Die Filmmusik verdeutlicht akustisch, welche Stimmung im Bild gezeigt werden soll. Somit leitet sie uns – damals wie heute – durch das Filmgeschehen und grenzt uns gleichzeitig von Störgeräuschen der Außenwelt ab.

Bewusste Erfahrung vs. unbewusste Instinkte

Wie Musik auf Personen wirkt, hat oft subjektive Hintergründe. Ein und dasselbe Lied kann unterschiedlichste Gefühle wecken. Wenn Person A Leonard Cohens „Hallelujah“ hört, denkt sie an den ersten Kuss zurück. Glücksgefühle machen sich in ihr breit. Person B hingegen treibt der Song Tränen in die Augen, denn er lief auf der Beerdigung eines guten Freundes. Persönliche Erfahrungen haben also einen immensen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Musik. Ein Lied, zwei Welten.

Doch auch durch bestimmte Eigenschaften wie Instrumentenwahl, Tempo, Tonhöhe und Melodieführung können unsere Instinkte und Emotionen unbewusst angesprochen werden. Langsam gespielt lösen die dumpfen und tiefen Töne des Kontrabass in uns ein Unbehagen aus. Auch schnelle, schrille Klänge einer Violine lassen unser Angstgefühl steigen. Besonders deshalb finden Musikstücke dieser Art oft Einsatz in Horrorfilmen. Jede musikalische Eigenschaft kann so in unterschiedlichsten Facetten zu vielseitiger Emotionalisierung des Filmgeschehens beitragen.

Ein schauriger Selbstversuch

Zeitweise ist uns als Zuschauer gar nicht bewusst, welchen Einfluss die Hintergrundmusik einer Szene tatsächlich hat. Deshalb solltest du es direkt selbst ausprobieren:

Titanic, “My Heart Will Go On”. Jack und Rose stehen verliebt an der Reling. Sie vertrauen sich nach so kurzer Zeit bereits (im wahrsten Sinne des Wortes) blind. Es hat wohl kein Zuschauer mehr einen Zweifel daran, dass es sich bei dieser Geschichte um wahre Liebe handelt.

Und nun sieh‘ dir die gleiche Szene an – aber mit dem Soundtrack von Halloween.

Was tun die beiden da an der Reling? Ist das nicht gefährlich? Oh je, will sie etwa springen? Oder bringt er sie gleich um? Was passiert hier eigentlich?

Allein dieses kleine Selbstexperiment zeigt, in welchem Ausmaß die Akustik das Filmgeschehen beeinträchtigt. Viel zu oft haben wir als Publikum das Gefühl, dass unsere Augen uns durch den Film führen. Musik kann die Bedeutung einer Szene jedoch regelrecht auf den Kopf stellen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich werde mir jetzt den Weißen Hai mit „Hallelujah“ geben.

Geschrieben von Julia am Do, 11.01.2018

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