Im Farbfernseher mit Dan Sheron: Ein Interview

 

 

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Von der eisigen Kälte Sibiriens bis hin zu den Regenfällen Oregons hat Dan Sheron schon einiges erlebt. Im Rahmen seiner Solo-Deutschlandtournee hat der Sänger der amerikanischen Band Balto auch in Berlin haltgemacht und wir haben ihn für euch interviewt.

Zuerst einmal muss ich eine Lanze für den Mann brechen. Dan Sheron von Balto ist wahrscheinlich einer der angenehmsten Menschen, mit denen ich jemals das Vergnügen hatte, eine Stunde Zeit verbringen zu dürfen. Wir hatten es nach einigen Missverständnissen endlich geschafft, uns auf ein Interview direkt vor seinem Auftritt im Farbfernseher in Kreuzberg zu treffen. Zusammen mit dem Tontechniker schraubte er an Knöpfen, steckte Kabel um und prüfte immer wieder das Mikrofon, bis er mit dem Klang zufrieden war. Fachmännisch und entspannt unterhielten sie sich über Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte.

An diesem Abend trug der Musiker aus Portland ein kariertes Hemd und eine braune Lederjacke, aber sein herausstechendstes optisches Merkmal war wohl sein dicker, schwarzer Schnurrbart, um den ihn wohl selbst Frank Zappa und Freddy Mercury beneidet hätten. Eine modische Eigenart, die zu meiner Überraschung von vielen seiner Fans an diesem Abend geteilt wurde. Auf der Bühne ist Dan Sheron ein talentierter Entertainer, erzählt kleine Anekdoten, die beim Verständnis der Songs helfen und bringt das Publikum durch seine selbstironische Art zum Lachen, aber abseits davon wirkt er ruhiger, nachdenklicher, ohne dabei etwas von seiner Authentizität einzubüßen. Während er seine Platten und Merchandising Artikel zum Verkauf herrichtete, rülpste er kurz, dann steckte er mir einen Patch seiner Band zu.

Wir kamen schnell ins Gespräch, da er vor kurzem ein Konzert in dem Pub in meiner Heimatstadt gespielt hatte, in dem ich praktisch aufgewachsen bin. Über seine Eindrücke von Deutschland, seine Zeit in Russland, die Themen und Einflüsse seiner Musik, das neue Album, unsere Verehrung von Warren Zevon, die kulturelle Rolle des Rock ‘n’ Roll in der heutigen Zeit und Groupies hat er mir einiges erzählt.

Croonin’. . . Max Saufler, Augsburg, DE

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Wie ist die Tour bisher? Welchen Eindruck hast du von Deutschland?

Es ist großartig gewesen. Jede Tour ist irgendwie so, dass du dabei in der Stadt auftauchst, nur die unmittelbare Umgebung um den Veranstaltungsort herum kennen lernst und am nächsten Tag wieder abreist. Also ist natürlich der Eindruck, den du von einem Ort bekommst immer ziemlich eingeschränkt. Aber es ist wundervoll gewesen. Das Publikum ist großartig gewesen. Da der perfekte Veranstaltungsort für diesen Musikstil ein kleiner Raum mit einem Publikum, das den Songs wirklich zuhört, ist, war es gewissermaßen der Traum eines jeden Songwriters. Und der Großteil der Shows ist genauso gewesen. Außerdem war es erstaunlich, wie nett einfach alle sind.

Lass uns kurz darüber sprechen, welchen Eindruck du von Berlin hast?

Bisher sind wir in Kreuzberg herumgehangen und haben in Neukölln gespielt. Offensichtlich ist es eine sehr junge, sich entwickelnde und coole Stadt. Interessanterweise ist es im Vergleich zu Portland auch eine viel dichter besiedelte und ältere Stadt. Aber ich finde es wirklich cool. Ich bin mit einem Freund herumgelaufen und wir fanden mehr oder weniger alles toll. Es gibt hier so viele Dinge, auf die wir stehen. Es ist alles da. Und jeder mit dem ich gesprochen habe, hat mir erzählt, dass es hier eine wirklich lebendige Kunstszene gibt. Ich glaube gerade gestern hat mir jemand gesagt: “Wenn du Musik machen willst und was drauf hast, dann machst du das in Berlin.”

Ich habe dein Tour-Tagebuch, darüber wie du durch Russland getourt bist, gelesen. Hast du vor, so etwas Ähnliches für diese Tour zu machen?

Wahrscheinlich nicht. Ich habe zwar einige Eindrücke gewonnen, aber diese Tour hat sich viel konventioneller angefühlt. Vor allem die erste Tour durch Russland war viel ungeplanter. Ich habe viel öfter auf Sofas geschlafen und versucht herauszufinden, wie ich von A nach B komme. Daraus resultierend musste ich mehr auf Glück und Zufall vertrauen. Was glücklicherweise auch geklappt hat.

Wenn wir gerade von Russland sprechen: Du hast da gelebt? Würde es dir etwas ausmachen, uns durch diesen Zeitabschnitt deines Lebens zu führen, als du dort hingezogen bist? Wieso bist du dort hingezogen, wie war es und wie hat es deine Musik beeinflusst?

Als Student habe ich Russisch und Politikwissenschaften studiert und habe im Zuge dessen an der Universität in Yaroslav nördlich von Moskau ein Austauschsemester verbracht. Und während ich gerade dabei war mein Studium zu beenden, hatte ich die Idee und war wirklich daran interessiert, nach Moskau zu gehen und zu versuchen, als Journalist Karriere zu machen. Vielleicht weitläufige Artikel über die ehemalige Sowjetunion zu schreiben. Als ich dort ankam, habe ich ein paar alte Freunde wiedergetroffen und einen Job bei der Moscow Times bekommen. Aber es ist einfach nicht gut gelaufen. Ich mochte die Arbeit nicht und hatte zu dieser Zeit auch ein paar persönliche Probleme, die irgendwie dazu geführt haben, dass ich den Verstand verloren habe. Ich war 21 Jahre alt und mein Leben fing an auseinanderzufallen. Da habe ich angefangen Songs zu schreiben, mehr als eine Form der Therapie als irgendetwas Anderes. Mit der Zeit bin ich dann tiefer und tiefer in diesem Loch verschwunden, nach Sibirien gereist und habe noch mehr geschrieben. Als ich wieder zu mir kam, hat mir ein Freund ein Freund ein freies Zimmer in seiner Wohnung in New York angeboten und ich habe angenommen. Und wir haben ein Album aufgenommen. Das war Baltos erstes Album. Beantwortet das deine Frage?

Das tut es. Da du eine Weile in Russland gelebt hast und schon zwei Mal durch das Land getourt bist, wie würdest du deine Verbindung zu dem Land beschreiben?

Es ist eigenartig. Wie drücke ich es am Besten aus? Es gibt da etwas Tiefgründigeres als nur das Oberflächliche: Oh, es ist interessant hier zu sein. Ich fühle mich dem Land verbunden und stehe zur selben Zeit in gewisser Weise im Widerspruch dazu. Es ist so, als würde man nach Jahren eine Unterhaltung wieder aufnehmen und zu wissen, wo man anzufangen hat. Weißt du, was ich meine? Warst du mal da? Es ist ein sehr komplizierter und abgefuckter Ort, aber es gibt auch Augenblicke, die dich einfach umhauen.

In diesem Zusammenhang: Fühlst du eine besondere Verbindung zum Osten Berlins, weil sie beide Teil der Sowjetunion waren?

Ich bin da noch überhaupt nicht herumgehangen. Ich war vor 12 Jahren im Prenzlauer Berg, aber ich war 17 und ich kann mich wirklich nicht so gut daran erinnern, weil ich die ganze Zeit betrunken war. Ich war mit einer Freundin in Berlin und wir haben glaube ich bei ihrer Cousine übernachtet. Aber nochmal: Wir waren dumme Siebzehnjährige, also waren wir hacke und ich habe keine Erinnerungen an die Zeit. Abgesehen davon, dass die Weltmeisterschaft in dem Sommer stattgefunden hat.

Also die große Frage, von der Jeder schon gelangweilt ist. Wie würdest du deine Musik beschreiben? Was sind deine Einflüsse? Was sind deine Themen? Was versuchst du durch deine Musik auszudrücken? Und das sind jetzt schon mal eine ganze Menge Fragen.

Ja, das sind einer ganze Menge Fragen. Ich schätze, grundlegend kann man sagen, dass wir als Band die Art von Musik machen, die wir machen wollen. Also bringen wir alle unsere verschiedenen Einflüsse ein. Aber alle von uns hören eine Mischung aus vielen verschiedenen Musik-Genres. Uns beeinflussen zum Beispiel die wirklich ausgeprägten Rhythmus Sektionen, die aus der Motown-Ära stammen und die sich durch alle möglichen Formen amerikanischer Musik ziehen. Sachen die in Muscle Shoals in den späten 60ern aufgenommen wurden bis hin zur ersten und auch zweiten Welle der British Invasion in den frühen 70ern. Aber auch total zeitgenössische, übereinander gelegte Klänge. Und wir verwenden Modulationen, Synthesizer und verschiedene andere Sachen. Es gibt einfach eine endlose Palette an Strukturen, mit denen man arbeiten kann. Und als Songwriter habe ich mich einfach kontinuierlich verändert und weiterentwickelt. Es hat als Therapie angefangen, aber dann habe ich damit begonnen, eher über die Dinge und Menschen, die mir begegnen, zu schreiben. Während ich mich verändere und meine Umstände sich verändern, bin ich allerdings wieder zum selbstreflektierenden Schreiben zurückgekehrt. Ich glaube nicht, dass ich wirklich über etwas schreiben kann, das ich nicht persönlich erlebt habe. Selbst wenn ich über etwas schreibe, dass ein Freund von mir gerade durchmacht, filtere ich es immer noch durch meine eigenen Erfahrungen. Ich glaube nicht, dass ich davon loskommen kann. Aber im Idealfall ergibt sich eine Art lebhaftes Porträt.

Zuerst einmal: Mir gefällt das neue Album wirklich gut. Aber ich versuche immer noch es zu verstehen. Die älteren Sachen haben ihre Wurzeln eindeutig im Genre der Folk Music. Aber was die neueren Sachen betrifft, ist da - vor allem musikalisch - so viel mehr los.

Ich bin immer mehr der Rock-Typ als der Folk-Typ gewesen, obwohl ich in der Highschool angefangen habe, akustisch zu spielen. Ich habe zuerst E-Gitarre gelernt und bin dann auf akustische Gitarre umgestiegen. Als Songwriter ist sie einfach besser zu transportieren. Man kann sie überall hin mitnehmen, sie hat einen volleren Klang und man kann meiner Meinung nach ein Lied einfacher vom Klavier auf eine akustische Gitarre übertragen. So wie ich spiele zumindest. Aber ich war immer der Classic-Rock-Typ und habe all die Klassiker geliebt. Ich stand schon immer auf Dylan, die Stones, Van Morrison oder die Beatles und später war ich begeistert von Big Star, Kinks und dem ganzen Zeugs - Gram Parsons, Leonard Cohen, Jackson Browne … da könnte ich weiter und weiter machen. Letzten Endes bin ich zu den akustischen Sachen zurückgekehrt, weil es funktioniert hat. Aber ich hatte schon immer einen Sinn für Rock. Selbst auf den ersten zwei Alben kannst du schon hören, dass es da zwar einen Haufen unheimlich folk-mäßige, komplett langsame Lieder gibt - die im Grunde genommen dadurch entstanden sind, dass ich und ein Freund im Wohnzimmer gesessen sind und ich zu dieser Zeit tatsächlich gar keine E-Gitarre hatte - aber die Hälfte der Songs Rock Songs sind. Nur die Struktur der Songs ist irgendwie staubig und deshalb fühlen sie sich mehr nach Folk Songs an. Aber irgendwie wollte ich immer zurück zu dem, was wir auf diesem Album machen. Allerdings haben wir erst jetzt plötzlich die Ausrüstung, um es zu realisieren. Deswegen gehen die neuen Sachen, die wir jetzt machen, noch weiter über Genre Grenzen hinaus. Es ist alles ein bisschen härter und grooviger, weil es uns darum geht, zu versuchen, diesen ausgeprägten Rhythmus Sektionen Klang zu finden, den wir als Band so lieben. Und natürlich wenn ich wie heute Abend alleine auftrete, dann reduziere ich die Songs auf die akustischen, folk-mäßigen Eigenschaften.

Eine etwas persönlichere Frage, Du hast mal einen Songtext von Warren Zevon getwittert. Was hatte es damit auf sich?

Ah, okay. Darüber willst du was wissen? In Ordnung. Also Warren Zevon ist immer in einer ganzen Menge Unterhaltungen über 70er Jahre Songwriter aufgetaucht und ich habe mir immer nur die erste Hälfte seines ersten Albums angehört und nie kapiert wieso. Ich dachte nur: “Warum hat Warren Zevon diesen Ruf?” Aber dann habe ich mir das ganze Album angehört! Und nach dem vierten Song vollzieht sich dieser Stilbruch. Es ist so, als hätte sein Record Label so zu ihm gesagt: “Okay. Schreib ein paar Hits.” Daraus resultierten dann diese vier Songs, die mir nicht besonders gefallen haben, aber plötzlich eröffnet sich einem dieses Album und seine Stimme ist so zynisch und düster und großartig. Der letzte Song ist verdammt großartig. Ich habe am Sonntag in München einen Freund abgeholt und er hat mich auf den letzten drei oder vier Stationen dieser Tour begleitet. Und ich habe zu ihm gesagt: “Man, du musst dir diesen Song anhören!” Es handelt sich dabei um “Desperados under the Eaves”. Ich habe ein bisschen etwas darüber gelesen und es geht letztendlich darum, dass er verkatert ist. Er singt über seinen Kater und gibt verbitterte Kommentare darüber ab, wie scheiße es ihm geht und er mit zitternden Händen aufwacht. Aber am Ende spielt er dieses ganze Ding durch und Zeile geht so: “I was sitting in the Hollywood Hawaiian hotel, I was listening to the air conditioner hum--”

And it went…

Hh-mhhm… Und dann wird aus dem Song diese Symphonie, zu der er summt. Als würde er dasitzen und sich in der Klimaanlage verlieren, während er mit einem Kater in diesem beschissenen Motel feststeckt und alles auf seinen Kopf einprasselt. Und das ist das Ende des verdammten Albums. Es ist ein Meisterwerk und einfach so scheiße mutig. Es ist so cool. Also daher kam dieser Warren Zevon Tweet. Jedenfalls sind Elliot und ich herumgefahren, haben uns diesen Song in der Dauerschleife angehört und haben nur auf diese letzte Zeile gewartet, als er sich in der Klimaanlage verliert.

Das neue Album: Wie unterscheidet es sich von früheren Veröffentlichungen? Wir haben uns ein bisschen über die Musik unterhalten, aber in Sachen Motive und Thematik?

Was Motive und Thematik betrifft, ist es ist auf jeden Fall ein Album, das ich geschrieben habe, als ich Mitte Zwanzig war, beim Versuch herauszufinden wie man … erwachsen wird? Und ich denke irgendwie…

Für mich war das Hauptthema Entfremdung und sich entfremdet zu fühlen von seinem jüngeren Ich und den Ideen und Idealen, die man hatte.

Das ist sehr scharfsinnig von dir.

Danke!

Ich denke, das ist eines der Dinge, mit denen ich viele Jahre gerungen habe. Die Erfahrungen, die ich in den ersten zwei Alben verarbeitet habe, waren explosive Gefühlsausbrüche, die nur jemand im späten Teenager-Alter oder Anfang zwanzig erleben kann, wenn all dieser verrückte Scheiß passiert und man sich irgendwie nicht darüber klar ist, dass die Zeit vergeht. Irgendwann fängst du an zu begreifen: “Mist, ich bin schlimmer verkatert und ich habe nicht mehr so viel Energie und die Farben leuchten nicht mehr ganz so hell wie früher.” Und in gewisser Weise ist ein großer Teil des Albums ein Ausflippen genau darüber. Ich habe mir die Frage gestellt: “Was machen wir jetzt? Werde ich mich jemals wieder so fühlen, wie ich mich damals gefühlt habe? Oder ist wie ich mich jetzt fühle irgendwie weniger Wert als wie ich mich damals gefühlt habe?” Und ich glaube viele Leute machen ähnliche Erfahrungen. Letzten Endes denke ich, dass ich mich darin verheddert habe, zu idealisieren, was oder wer ich damals war. Und dass das auf irgendeine Art und Weise eine bessere Version von mir war als in den Jahren darauf aus mir geworden ist. Und ja, das ist wirklich scharfsinnig von dir, das da herauszuhören.

Und ich wollte darüber reden, dass mir der der Celebration Smile Song wirklich gut gefällt. Gerade weil es sich dabei mehr um erzählendes Songwriting handelt. Ist er autobiographisch?

Es geht darin um meinen Großvater. Mein Großvater wurde 1916 in New York City geboren, ist mit 13 von zu Hause fortgelaufen, weil ihn sein Vater geschlagen hat und ist nie nach Hause zurückgekehrt. Er hat die Schule in der achten Klasse verlassen, sich dem Zirkus angeschlossen, ist dann zur Armee und hat als Holzfäller im Nordwesten gearbeitet. Er hat auch gegen die Japaner im zweiten Weltkrieg gekämpft und sich dann einfach irgendwo niedergelassen. Also habe ich das in gewisser Weise mit meiner Vorstellung davon verbunden, was es bedeutet sich niederzulassen. Vielleicht rechne ich ihm nicht hoch genug an, was für ein guter Mensch er war. Er war ein ziemlich großartiger, bedeutender Mann, wie ich finde.

Komplett andere Frage wieder. Wie würdest du Rock ‘n’ Roll beschreiben? Was bedeutet er dir?

Ich finde, das ist eine schwere Frage, weil ich Rock ‘n’ Roll so sehr liebe und ich nichts lieber tue, als Rockmusik zu machen. Ich würde lieber in einer Rock ‘n’ Roll Band spielen als irgendetwas Anderes zu machen. Aber da spricht der Idealist. Gleichzeitig erkennt der Realist in mir an, dass Rock ‘n’ Roll heute gewissermaßen bedeutungslos ist. Meine Gefühle als weißer Mann in einem Industriestaat sind nicht von Bedeutung. Aber ich kann Jemanden eine Zeitlang unterhalten. Ich denke, die wirklich wichtige Musikrichtung ist heute Hip-Hop. Das ist die Musik, zumindest in Amerika oder den U.S.A., die gemacht werden muss. Da geht es weniger um Musik als darum die Kultur nach vorne zu bringen. Wir können coolen, experimentellen Scheiß machen und krasse Musik spielen, aber die Zeiten des Rock ‘n’ Roll als kulturelle Kraft sind meiner Meinung nach vorbei. Was grausam auszusprechen ist, da ich hungern würde, um die Chance zu haben, diese Art von Musik machen zu können. Aber wie gesagt: “ich bin Realist.” Wenn du dir die Hip-Hop-Musik von heute anhörst, dann machen die verdammt großartiges Zeug. Zum Beispiel Klänge und Musikstile wieder einzubeziehen, die existiert haben und für eine wirklich lange Zeit parallel zum Mainstream Rock gelaufen sind. Wie Drum and Bass Sounds in Hip-Hop Beats heutzutage – irgendwie großartig.

Woran arbeitest du gerade? Ein Live Album, Solo Album? Irgendwas Neues mit der Band vielleicht?

Wir geben tatsächlich gerade ein paar Songs den letzten Schliff, die wir Ende letzten Jahres aufzunehmen begonnen haben. Also die sollten recht bald rauskommen. Wir sind schon ziemlich begeistert. Danach werden wir versuchen einen Zeitplan, mit Aufnahmen und Veröffentlichungen einzuhalten. Ich sitze auch schon auf einem ganzen Stapel neuen Materials. Ich habe genügend Songs für ein ganzes Album geschrieben, die nur darauf warten, aufgenommen zu werden. Deswegen versuchen wir die Zeit zu finden, uns ins Studio zu setzen, an kleineren Teilstücken zu arbeiten und diese dann zusammenzusetzen.

Noch zwei Leserfragen, die sich gewünscht wurden. Die Erste ist: Macht das, was du tust, dich wirklich glücklich? Und die Zweite ist: Wie läuft das mit den Groupies?

Glücklich ist ein großes Wort. Der Schluss zu dem ich gekommen bin, ist dass es mehr um Erfüllung als um alles Andere geht. Ob es dich glücklich macht oder nicht, ist in gewisser Weise unwichtig. Es geht darum, das Gefühl zu haben, das Richtige zu tun. Und ich denke, wenn es einfach wäre oder es mich glücklich machen würde, dann wäre es nicht richtig. Im Endeffekt habe ich andere Sachen außer Musik zu machen versucht und es hat sich alles wie massive Zeitverschwendung angefühlt. Und als ich das begriffen hatte, gab es keine wirkliche Wahl oder Alternative. Und was die andere Frage betrifft: Das kann ich nicht kommentieren. Ich habe eine feste Freundin, mit der ich schon viele Jahre zusammen bin. Also kommen sie wohl nur, um sich die Songs anzuhören. Verstehst du das Konzept?

Geschrieben von Francis am Mo, 16.04.2018

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