Kater Blau: Wo wir Raum und Zeit vergessen

 

 

© Thomas Meier

Für alle Nachtschwärmer und Clubgänger ist das der ideale Ort, um die Welt hinter sich zu lassen. Die innerstädtische Holzoase glänzt mit fetten Lineups, charmantem Charakter und tagelangen Feierszenarien.

Der erste Blick in Richtung des Clubs ist für viele Menschen ein Schock. Unter der Brücke in der
Holzmarktstraße ist allwöchentlich eine Menschenmenge zu erkennen, die sich in unendlichen
Weiten zu einer Schlange formt. Klar, die meisten wissen Bescheid über diesen abnormalen
Zustand, aber so manch einem Urlauber fallen da schonmal die Augen aus dem Kopf. Hilft alles
nichts, anstehen und warten. Und warten. Und warten. Aber ganz ehrlich, manchmal ist das gar
nicht so schlimm. Viele nette Leute aus den verschiedensten Ländern trifft man dort, die auch
gerne mal einen Pfeffi oder ähnliche Appetizer springen lassen.

Ist die Tür nach einer halben Ewigkeit dann mal in greifbarer Nähe, steigt mit jedem Schritt die
Pulsfrequenz. Nochmal kurz in sich gehen, auch wenn es keiner zeigen oder sagen möchte. Nun
ist es soweit. Der fast immer von einer Dame bewachte Eingang kennt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder „Viel Spaß“ oder „Heute (leider) nicht“. Jetzt Tipps zu geben, wie man dort am besten
reinkommt, ist Schwachsinn. Nur so viel dazu: High Heels oder Polohemd mit umgehängtem
Pullover sollte man nicht unbedingt tragen. Nach welchen Kriterien sie entscheiden, wissen nur
sie selbst und vielleicht der liebe Gott.

Hat sich die Geduld ausgezahlt, folgt die übliche Prozedur: Abkassieren, abkleben, abtasten.
Endlich kann ́s losgehen. Geradeaus über die charmant zusammengeschusterten Pfade bis ans
andere Ende zur Garderobe. Hier heißt ́s meist nochmal anstehen – ob für Jacke, Toilette oder
den Extraschub Glück. Alles braucht eben seine Zeit. Ist auch hier alles erledigt, stehen nun
verschiedene Floors zur Verfügung. Die sind erreichbar über den Außenbereich, der fast
ausschließlich aus Holz und verschiedenen Farbelementen besteht. Aber eigentlich ist hier alles
aus Holz, schließlich hieß der Laden auch mal Kater Holzig (und davor Bar25). Zum einen gibt es
den „Heinz Hopper“, den man als Main-Floor bezeichnen kann, da er am größten ist. Gegenüber
der „Acid Bogen“ in etwas kleinerem Maßstab und neben dem Eingang befindet sich der
sogenannte „Kiosk“, auch klein aber fein.

Die Musik ist in allen Bereichen ein Traum für jedermann, der Techno mag. Manchmal sieht man
Verzweifelte, die mit diesem Genre wenig bis gar nichts anfangen können. Da wird ́s dann
schwierig, weil im Club ausschließlich elektronische Musik aufgelegt wird. Teilweise etwas
weniger hart, aber meistens mit ordentlich Druck. Und das Schmankerl in Sachen DJ ist Dirty
Doering, der sich ab und an immer noch die Ehre gibt und vor einigen Jahren das Label
Katermukke“ gegründet hat. Er gehört quasi zum Inventar des Clubs und ist seit Anfang an
dabei. Die Tanzflächen sind stets gut gefüllt, aber jeder findet sein Plätzchen, an dem die
Selbstentfaltung frei ausgelebt werden kann und niemand dabei sört, wenn internationale
DJ-Größen zum Tanz bitten.

Für die kleine Pause zwischendurch ist der Außenbereich eine wahre Wohlfühloase. Frische Luft,
angenehme Lautstärke und ein Wasserhahn. Denn was wünschen wir uns mehr nach einer
vollen Ladung Bass, Schweiß und Reizüberflutung? Außerdem gibt es etliche Nischen und
Sitzmöglichkeiten zum Schmusen, relaxen und schnacken. Natürlich darf auch dort die Bar nicht
fehlen und das Personal ist immer bemüht und auch mal für einen kleinen Smalltalk zu haben.
Der schönste Platz allerdings ist direkt am Wasser, mit Blick über die Spree und wenn man zur
richtigen Zeit am richtigen Ort ist, gibt es noch einen wunderschönen Sonnenaufgang dazu.

Während die Helligkeit immer mehr Raum einnimmt, begeben sich einige Gäste zum Ausgang.
Andere wiederum starten in den düsteren Räumen noch in eine zweite, dritte oder wie vielte
auch immer Runde. Die wöchentliche Veranstaltung heißt SaSoMo, es ist also kein Problem, von
Samstag bis Montag durchzutanzen. Eine Unterbrechung gibt es lediglich von Samstag
Nachmittag bis Abend. Vergnügen kann man sich im Club dann wieder ab Mitternacht. Und
freitags natürlich. Aber egal, wie viel Feierwut im Bauch steckt, irgendwann kommt der Punkt, an
dem es heißt: Abschied nehmen.

Ist dann endgültig der Entschluss gefasst, den Club zu verlassen, kann man die Blässe im
Gesicht förmlich spüren. Auch die Augen sind ein markanter Punkt – ob sie nun größer sind als
bei einer Eule oder beide in eine andere Richtung schauen, ist Typsache. Ganz nüchtern kommt
vermutlich niemand raus aus der Sache. Dann schleppt man sich zur nächsten Bahnstation und
wünscht sich niemals dort gewesen zu sein oder möglichst bald wiederzukommen.

Und wie schrieb schon Rainer Maria Rilke: „Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine
unglaubliche Summe, ich schwör ́s euch!“

Geschrieben von Roman am Fr, 02.03.2018

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