Licht aus: Anschlag auf Berliner Stromnetz

 

 

© Sebastian Vandrey

Stunden ohne Licht, Technik & Co. – Der scheinbare Anschlag auf das Berliner Stromnetz ließ Teile Charlottenburgs „im Dunkeln“. Doch was passiert eigentlich, wenn es eines Tages zum ultimativen Blackout kommt?

Am Montag, den 26.03.18, kam es im Schacht unter der Berliner Mörschbrücke zu einem Kabelbrand. Betroffen waren insgesamt acht Kabel, darunter auch Reserve-Kabel. Mehrere Stunden mussten rund 6.500 Haushalte und 400 Betriebe in Charlottenburg ohne Strom ausharren.

Anschlag oder Scherz?

Die „Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen“ bekannte sich noch am selben Tag auf der linksextremen Plattform Indymedia zu dieser Tat. Im Bekennerschreiben hieß es unter anderem, es handle sich dabei um ihren „Beitrag, einen Moment unkontrollierten Lebens zu schaffen". Ziel des Anschlags sei es laut „Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen“ gewesen, einen hohen Wirtschaftsschaden bei Bundespolizei, Militär, dem Flughafen Tegel und zahlreichen Unternehmen wie BASE, Level 3 und Global Metro Networks zu provozieren – zum größten Teil jedoch vergebens. Weder Regierungsviertel noch der Flughafen waren betroffen. Ob das Bekennerschreiben echt ist, bleibt bisher unklar. Die Polizei sucht weiterhin nach den Tätern.

Die Gefahr hinter dem Blackout

Rund acht Stunden mussten die betroffenen Haushalte und Betriebe in Charlottenburg auf Strom verzichten. In der technischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gleicht das einem Desaster. Aber was passiert, wenn es tatsächlich zum Blackout – einem großflächigen, langandauernden Stromausfall – kommt? Schon wenige Stunden ohne Strom können ausreichen, das gesellschaftliche Leben schwer zu beeinträchtigen, ein Blackout über mehrere Tage wäre für uns mehr als katastrophal.

Anschlag auf das gesellschaftliche Leben

Schon in den eigenen vier Wänden würde uns der Stromverlust massiv einschränken. Sobald es dunkel wird, wären Kerzen und batteriebetriebene Taschenlampen die einzige Lichtquelle. Ohne Fernseher, Radio und Computer hätten wir keinen Zugang zu Nachrichten, auch Laptop- und Handy-Akkus wären nach einigen Stunden leer. Spätestens dann könnten wir uns nicht über den Stand der Situation informieren. Panik wäre die naheliegende Folge.

Ob Winter oder Sommer, der Blackout würde uns temperaturtechnisch fordern, denn es würden weder Kühlschrank, Klimaanlage noch Heizung funktionieren. Zudem würde die Wasserzufuhr und folglich die Abwasserentsorgung stoppen. So könnten Körperhygiene und Toilettengang ganz schnell sehr unangenehm werden.

Outdoor-Katastrophe

Außerhalb der eigenen vier Wände wäre das Unglück schnell mit bloßen Händen greifbar. Nicht nur, dass es kein Licht mehr gäbe, auch Ampeln würden schlagartig ausfallen. Der Straßenverkehr würde sich in ein Chaos verwandeln. Züge, U- und S-Bahnen blieben stecken.

Zudem wäre das Leben vieler Menschen bedroht. Ohne Telefone und Handys wäre es schier unmöglich, im Notfall Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen zu alarmieren. Der Weg zum Krankenhaus würde durch die Verkehrslage zur reinsten Tortur. Und selbst, wenn das Krankenhaus erreicht wird – langfristig könnte die Versorgung der Patienten nicht gewährleistet werden. Schließlich stellen selbst die Notstromaggregate von Krankenhäusern keine endlose Stromversorgung dar.

Kurzum: Es bleibt zu hoffen, dass der Anschlag auf das Berliner Stromnetz ein Einzelfall war. In einem größeren Blackout würde unsere scheinbar so stabile Gesellschaft in wenigen Tagen oder gar Stunden schlichtweg zusammenbrechen.

Geschrieben von Julia am Mo, 02.04.2018

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