Osmanen Germania BC: Der osmanische Rockerclub

 

 

© Alexander Kiselev

Prostitution, Drogenhandel und Gewalt gehören zu den Tätigkeitsfeldern eines Rockerclubs. Etablierte Gangs wie Hells Angels oder Bandidos sind in diesen Strukturen tief verankert. Nun sorgt ein weiterer Club für Aufregung – die morgenländischen Rocker des Osmanen Germania Boxclub.

Sie kamen, sahen und sind jetzt da. Der als türkisch-nationalistisch geltende rockerähnliche Club, mit Schwerpunkt in Deutschland, ist wie eigentlich jede andere Gruppierung dieser Art, in der organisierten Kriminalität zu Hause. Nach eigenen Angaben im April 2015 von Türkischstämmigen gegründet, gilt der Club als der am schnellsten wachsende im deutschen Rockermilieu. Laut des Landeskriminalamts Niedersachsen jedoch wurde die Gruppierung schon Ende 2014 in Frankfurt am Main gegründet, von wo aus er bundes- und europaweit expandierte. Das BC im Namen steht für Boxclub, wobei sich keine Affinität zum Boxsport erkennen lässt.

Anfang 2016 gab es 20 sogenannte Chapters (Ortsverbände), wovon sich acht in Nordrhein-Westfalen befanden. Derzeit zählt der Osmanen Germania BC ca. 2.500 Mitglieder in Deutschland und 3.500 weltweit. Neben der Bundesrepublik ist der Club in Ländern wie der Türkei, Österreich, Schweiz und Schweden vertreten. Als Gründungspräsidenten gelten der Boxer Mehmet Bagci und das ehemalige Hells Angels-Mitglied Selcuk "Can" Sahin.

Entsprechend einer Meldung Ende 2015 existiert ein Pakt mit den türkischen Hells Angels. Die niedersächsischen Ermittlungsbehörden vermuten, dass sie an Marktanteilen illegaler Geschäfte beteiligt sind. Belegen lässt sich das gleichwohl nicht. Ulla Jelpke, Bundestagsabgeordnete, äußerte zudem, dass Mitglieder der Osmanen als Ordner auf einer Demo der Grauen Wölfe tätig waren. Neben diesen vermeintlichen Kontakten zu den Grauen Wölfen sagt man dem Club auch eine enge Verbindung zur AKP nach, der Partei des türkischen Präsidenten Erdogan.

Am 16. August 2016 kam es im Saarland zur Festnahme des Vizepräsidenten wegen Drogenhandels. Zwei Monate später strömten hunderte Anhänger ins hessische Dietzenbach, um am "World Meeting" teilzunehmen. Zum Zweck der Anwerbung war auch der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kuraz anwesend. Im November 2016 kam es zu einer Großrazzia mit ca. 1.000 Beamten, die Speichermedien, Schusswaffen und Munition beschlagnahmen konnten. Ebenfalls im November ereignete sich ein Anschlag auf eine kurdische Schischabar in Saarbrücken, des Weiteren setzten die Osmanen - nach Drohungen seitens der Kurden - Autos in Brand. Dieses Jahr im März kam es wegen Geldwäsche, Urkundenfälschung, Erpressung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer weiteren Razzia. Der letzte bekannte Vorfall ereignete sich am 27. Juni, bei dem fünf Mitglieder festgenommen wurden und Beamte Wohnungen, Geschäftsräume und Fahrzeuge des Clubs durchsuchten.

Geschrieben von Roman am Do, 10.08.2017

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